Frauengesundheit im geschützten Raum
Menstruation, Verhütung, Arztbesuche und sexuelle Selbstbestimmung sind sensible Themen. Der inklusive Workshop Frauengesundheit am 24. September in Bergedorf bot Raum für Austausch und Fragen rund um den eigenen Körper.
Gesundheitsinformationen sind wichtig, aber nicht für alle Menschen leicht verständlich und zugänglich. Gerade Menschen mit Behinderung brauchen deshalb Angebote, die ihre Bedürfnisse berücksichtigen. Das gilt insbesondere für sensible Themen rund um Sexualität und den eigenen Körper.
Am 24. September 2026 fand im Treffpunkt Soziale Dienste Bergedorf ein Workshop zum Thema Frauengesundheit statt. Organisiert und durchgeführt wurde er von Annika Albers, Botschafterin der Interessenvertretung und Lina Braucks, Fachkraft bei Leben mit Behinderung Hamburg und angehende Sexualpädagogin. Zwei Stunden lang ging es um Themen, die im Alltag von Frauen eine wichtige Rolle spielen – und über die dennoch nicht immer offen gesprochen wird.
Die Idee für den Workshop entstand bei Lina Braucks im Rahmen ihrer Weiterbildung zur Fachkraft für sexuelle Bildung und Gewaltprävention. Für das Praxisprojekt suchte sie zunächst nach einem passenden Ort: „Bergedorf ist mit Angeboten ein bisschen außen vor“, erzählt sie. Schnell war für sie klar, dass dort ein entsprechendes Angebot entstehen sollte. Annika Albers war als Teilnehmerin der Multiplikator*innen-Ausbildung für gesundheitliche Themen von Gesundheit 25* die passende Partnerin.
Gemeinsam planten die beiden einen inklusiven und machtsensiblen Workshop. Dabei spielte der Peer-to-Peer-Gedanke eine zentrale Rolle. „Dass jemand dabei ist von der Selbstvertretung, ist was ganz Anderes, als wenn ich als Fachkraft den Workshop leite“, erklärt Lina Braucks.
Welche Verhütungsmittel gibt es und was sind ihre Vor- und Nachteile? Warum menstruieren Frauen und warum ist der regelmäßige Besuch einer gynäkologischen Praxis wichtig? Diese und weitere Fragen zum weiblichen Körper standen im Mittelpunkt des Workshops, der Raum für ganz persönliche Fragen und Erfahrungen bot. Dabei zeigte sich, dass der Bedarf an Austausch groß ist. „Da hatte man schon gemerkt, dass Sorgen und Schamgefühle da sind, dass man Angst hat, angefasst zu werden, und dass das immer noch ein schwieriges Thema ist“, berichtet Annika Albers.
Ein weiterer Schwerpunkt waren die eigenen Rechte. Auch die Forderungsliste des Beirats von Beraten und Stärken (BeSt) wurde gemeinsam besprochen. Dabei ging es um sexuelle Selbstbestimmung und um den Schutz vor sexualisierte Gewalt. „Die Teilnehmerinnen waren sehr meinungsstark“, sagt Lina Braucks. Sie machten deutlich, was sie in ihrem Leben möchten – und was nicht.
Auch der geschützte Raum war wichtig. Ein Workshop außerhalb der eigenen Wohngruppe kann es leichter machen, persönliche Fragen anzusprechen, ohne dass Assistent*innen oder Mitbewohner*innen unmittelbar dabei sind.
Der Workshop soll deshalb keine Eintagsfliege bleiben. Künftig soll das Thema Frauengesundheit auch in eine neue Frauengruppe einfließen, die BeSt im Rahmen der Erwachsenenbildung neben der bereits bestehenden Männergruppe anbieten wird. Auch Wohngemeinschaften oder Treffpunkte sollen das Angebot buchen können.

