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Leserbrief ans Hamburger Abendblatt: Theatergruppe fühlt sich von Zuschauer mit Behinderung gestört

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Ein junger Mann mit einer Behinderung wurde aus einer Theaterausführung rausgeschmissen. Das Hamburger Abendblatt hat darüber berichtet. Ralph Grevel, Geschäftsführer der Sozialeinrichtungen, hat einen Leserbrief geschrieben.

Sehr geehrte Damen und Herren,

um ehrlich zu sein, stockte uns der Atem, als wir die Überschrift „Behinderter Nico muss Weihnachtsmusical verlassen“ auf Ihrer Website lasen. Auf das was im Text steht, wollen wir später noch eingehen, aber erst einmal geht es um die Formulierung.

Vor fast 15 Jahren, hat Deutschland die UN-Konvention zu den Rechten von Menschen mit Behinderung ratifiziert und auch heute noch, wird in Ihrer Zeitung von „Behinderten“ gesprochen. Von einem Blatt Ihrer Größe und Reichweite, würden wir uns ein anderes Niveau erwarten, zumal im Weiteren des Artikels deutlich wird, wie sehr Nico behindert wird.

Aber schauen wir uns an, was eigentlich passiert ist. Ein junger Mann ging mit seiner Familie ins Theater. Seine Reaktionen auf das Theaterstück störte die Darsteller*innen so sehr, dass er, laut des Berichts, von einem fünfköpfigen Gremium herauskomplementiert wurde. Auch wenn wir Respekt vor der großen Laienproduktion haben, sind wir erschüttert im Jahr 2023 über ein solches Vorgehen lesen zu müssen.

Mit dem Hamburger Kulturschlüssel vermitteln wir jedes Jahr rund 5500 Mal Kulturgenuss für Menschen mit Behinderung in Hamburger Kulturveranstaltungen. Dazu erhalten wir Freikarten von über 100 Kulturveranstaltern. Ein solches Verhalten, wie es vom Tanz- und Theaterensemble e.V. an den Tag gelegt wurde, ist uns noch nicht zu Ohren gekommen. Wir sind froh zu erleben, dass Menschen mit einer Behinderung an vielen Kulturorten als Zuschauer*innen akzeptiert sind.

Vorfälle wie dieser zeigen jedoch, dass es immer noch nicht überall normal ist, dass Menschen mit Behinderung ein Theater besuchen und sich dort verhalten, wie sie es eben aufgrund ihrer Behinderung tun. Das ist für uns absolut unverständlich.

Ralph Grevel

Geschäftsführer Leben mit Behinderung Hamburg Sozialeinrichtungen gGmbH

 

Foto: pexels.com

 

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