Barrierefreiheit im Check - mit dem Juca Lurup

| Offene Kinder- und Jugendarbeit

Ob Inklusion in Einrichtungen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit möglich ist wird häufig im Zusammenhang mit der Barrierefreiheit der Gebäude diskutiert. Zwar sind bauliche Voraussetzungen wie stufenlose Zugänge oder barrierefreie WCs wichtige Grundlagen, doch sie allein entscheiden nicht darüber, ob Kinder und Jugendliche mit Behinderung selbstverständlich an Freizeitangeboten teilhaben können.

In der zweiten Projektphase mit dem Juca Lurup haben wir uns daher nicht nur auf die Suche nach räumlichen Barrieren gemacht und dafür selbst die Perspektive gewechselt, sondern sind in den Austausch mit Menschen mit Behinderungen gegangen, um mehr über ihr Leben und ihren Alltag zu erfahren.

Auftakt in den Mai-Ferien

Den Auftakt bildete ein Barrierefreiheits-Check mit den Besucher*innen des Juca während der Mai-Ferien. Mithilfe von Rollstühlen, Blinden-Simulationsbrillen und Langstöcken konnten die Kinder und Jugendlichen die Einrichtung aus einer anderen Perspektive erleben. Ihre Aufgabe war es, das Jugendcafé möglichst so zu nutzen wie im Alltag – sei es beim Kickern, auf dem Außengelände oder beim Besuch einzelner Räume.

Alle Hindernisse und Schwierigkeiten wurden direkt vor Ort dokumentiert und anschließend gemeinsam ausgewertet. Dabei standen nicht nur bauliche Barrieren im Mittelpunkt, sondern auch Fragen wie: Wo fühlte ich mich unsicher? Wann benötigte ich Unterstützung? Welche Situationen haben gut funktioniert?

Ergänzend besuchte eine Gruppe aus 13 Jugendlichen die Erlebniswelt "Dialog im Dunkeln". Die dort gesammelten Erfahrungen regten viele Gespräche über Barrieren und Inklusion an. Auch Tage später setzten sich die Jugendlichen freiwillig weiter mit dem Thema auseinander, indem sie sich erneut mit Simulationsmaterialien durch das Juca bewegten und ihre Eindrücke mit den Mitarbeitenden teilten. Besonders erfreulich war der Wunsch der Jugendlichen, künftig auch den "Dialog im Stillen" gemeinsam zu besuchen.

Peer-Expert*innen von GUTGEFRAGT

Selbsterfahrungen schaffen Verständnis und sensibilisieren für unterschiedliche Lebensrealitäten. Um jedoch eine fachlich fundierte Einschätzung der Barrierefreiheit zu erhalten, fand in den Sommerferien ein professioneller Barriere-Check durch das Expert*innen-Team von GUT GEFRAGT statt.

Fünf Peer-Expert*innen mit unterschiedlichen Behinderungen untersuchten gemeinsam mit zwei Assistenzkräften das gesamte Jugendcafé aus fünf Perspektiven:

  • blinde und sehbehinderte Menschen
  • taube und hörbehinderte Menschen
  • Menschen mit Lernschwierigkeiten
  • Menschen mit Mobilitätseinschränkungen
  • neurodivergente Menschen

Geprüft wurden sowohl der Innen- als auch der Außenbereich des Juca – darunter Aufenthaltsräume, Werkstatt, Küche, Spielelager, Chill-Raum, das barrierefreie WC sowie Sport- und Freizeitflächen im Außenbereich.

Mithilfe digitaler Checklisten bewerteten die Peer-Expert*innen zwischen 83 und 94 Prüfkriterien. Im Mittelpunkt stand dabei nicht die Einhaltung technischer Normen oder gesetzlicher Vorgaben, sondern die entscheidende Frage: Welche Barrieren erleben Menschen mit Behinderung tatsächlich im Alltag?

Begegnung auf Augenhöhe

Ein besonderer Höhepunkt des Tages war der anschließende Austausch zwischen den Peer-Expert*innen und den Besucher*innen vom Juca. Anfangs noch zurückhaltend, stellten die Kinder und Jugendlichen im Laufe der Gesprächsrunde zahlreiche Fragen zum Alltag mit Behinderung.

Die Expert*innen berichteten offen von ihren persönlichen Erfahrungen, erklärten den Umgang mit Hilfsmitteln wie dem Elektrorollstuhl und sprachen darüber, welche Barrieren ihnen in Schule, Freizeit und Alltag begegnet sind und was sie sich von der Gesellschaft wünschen. Räume für Austausch und Begegnung auf Augenhöhe können insbesondere unsichtbare Barrieren, wie fehlendes Wissen und Verständnis für Menschen mit Behinderungen sowie Vorurteile abbauen. 

Erste Veränderungen und nächste Schritte

Die bisherigen Erkenntnisse haben bereits erste Entwicklungen angestoßen. So wurden im Juca zwei Rollstühle angeschafft, die von den Kindern und Jugendlichen ganz selbstverständlich genutzt werden können. Darüber hinaus fanden Gespräche mit Eltern von Besucher*innen mit Behinderung statt, wodurch weitere bisher wenig sichtbare Teilhabebarrieren erkannt werden konnten.

Parallel wurde eine Online-Befragung unter den Besucher*innen gestartet. Ziel ist es, mehr darüber zu erfahren, wie wohl sich die Kinder und Jugendlichen im Juca fühlen, welche Veränderungen sie sich wünschen und an welchen Stellen sie mehr mitbestimmen wollen.

Die Ergebnisse des Barriere-Checks von GUT GEFRAGT werden derzeit ausgewertet und bilden gemeinsam mit den Rückmeldungen der Besucher*innen eine wichtige Grundlage für die nächsten Schritte im Inklusionsprozess.

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